Vestibularsyndrom beim Hund
Spezifische physiotherapeutische Begleitung bei Gleichgewichtsstörungen — nach tierärztlicher Diagnose, oft bei Senioren.
Beim Vestibularsyndrom ist das Gleichgewichtssystem des Hundes gestört. Betroffen sind vor allem ältere Hunde, aber auch jüngere Tiere. Die Diagnose „Vestibularsyndrom“ ist ein Überbegriff für viele unterschiedliche Ursachen — deshalb ist eine sorgfältige tierärztliche Abklärung (u. a. neurologische Untersuchung, Otoskopie, Blutbild, ggf. Bildgebung) immer der erste Schritt.
Andrea Schröder hat sich in der Fortbildung „Neurologie und Neurodynamik in der Hundephysiotherapie“ (2017) vertieft mit neurologischen Beschwerdebildern beschäftigt. In unserer Praxis setzen wir — orientiert an aktuellen tierphysiotherapeutischen Konzepten (u. a. Traute Schmidt / Yvonne Müller, Physiotherapie für Menschen und Hunde) — gezielt auf vestibuläre Rehabilitation, nicht nur auf allgemeine Tonusbeeinflussung.
Typische Symptome
- Kopfschiefhaltung — meist zur Seite der Läsion geneigt
- Unsicherer, breitbeiniger Gang (vestibuläre Ataxie), Fallen zur Seite
- Nystagmus (rhythmische Augenbewegungen), ggf. Schielen bei Kopfbewegung
- Übelkeit und Erbrechen durch Drehschwindel
- Vergrößerte Standfläche — der Hund „spreizt“ für mehr Halt
Peripher oder zentral?
Für die Wahl der physiotherapeutischen Maßnahmen ist die Unterscheidung wichtig:
- Peripheres Vestibularsyndrom (Innenohr, N. vestibulocochlearis): typische Symptome wie oben, ansonsten meist unauffällige neurologische Befunde
- Zentrales Vestibularsyndrom (Hirnstamm/Kleinhirn): zusätzlich z. B. verminderte Propriozeption, Ausfälle anderer Hirnnerven, Bewusstseinsstörungen; Nystagmus kann auch vertikal sein
Das idiopathische (geriatrische) Vestibularsyndrom wird ausgeschlossen, wenn andere Ursachen einer peripheren Störung nicht zutreffen — der Verlauf ist bei vielen Senioren-Hunden gut, Besserung oft innerhalb von Tagen bis Wochen.
Physiotherapeutische Ansätze bei uns
- Vestibuläre Rehabilitation — Kopf- und Augenbewegungen in sicherer Ausgangsstellung (Platz, Sitz oder Liegen): Blickstabilisation und Koordination schrittweise trainieren
- Propriozeption & Alltag — anschließend Gerätetraining, Figuren und sichere Bewegungsabläufe für zu Hause
- Körper-Raum-Wahrnehmung — bei zentralem Syndrom: kontrollierte Gewichtsverlagerung und visuelle Orientierung zur aktiven Kopfkorrektur
- Modifiziertes Epley-Manöver — nur bei passender peripherer Innenohr-Ursache und nach tierärztlicher Indikation (Otolithen-Reposition)
- Besitzer-Coaching — z. B. Geschirr statt Halsband, rutschfeste Unterlagen, angehobener Napf, kurze, ruhige Übungseinheiten
Veränderte Muskelspannung (z. B. beim Hemiwalk-Test) ist bei Vestibularsyndrom Folge der Gleichgewichtsstörung — gezielte vestibuläre Übungen wirken nachhaltiger als pauschale Tonusbeeinflussung allein.
Wichtiger Hinweis
Plötzliche schwere neurologische Ausfälle, Bewusstlosigkeit oder starker Schmerz gehören sofort in die Tierarztpraxis oder Klinik. Physiotherapie beginnt in der Regel nach der Akutphase, wenn Ihre Tierarztpraxis es freigibt.
Ablauf
1. Befund
Tierärztliche Diagnose, peripher/zentral, Verlauf und Alltag — Grundlage für Ziel und Ausgangsstellung.
2. Vestibuläres Training
Individuell dosierte Übungen — von ruhiger Ausgangsstellung bis zu sicherer Bewegung im Raum.
3. Alltag
Hausübungen mit Ihnen, Anpassung der Umgebung und regelmäßiger Wiederbefund in der Praxis.
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